Sehr geehrte Geschäftspartner! Liebe Kunden!
Im vergangenen, ereignisreichen ersten Quartal 2025 sind wir bei Independent Capital dank unserem hervorragenden Standing im österreichischen Markt mit vielen spannenden Transaktionen in den Frühling gestartet! Somit konnten wir unser Gesamttransaktionsvolumen weiter erhöhen und entsprechend auf eine breite Erfahrung im Banken- und Kapitalmarkt zurückgreifen. Gerne nehmen wir dies zum Anlass uns bei unseren Kunden für ihre Treue und die gute Zusammenarbeit zu bedanken.
In diesem Newsletter möchten wir uns dem European Green Bond Standard („EUGBS“) und seinen Implikationen auf den wachsenden Markt für grüne Anleihen widmen. Hierfür haben wir Herrn Gerald Siegmund und Herrn Michael Ambacher von der FSG Sustainable GmbH zu einem Gastkommentar eingeladen. Wie gewohnt finden Sie im zweiten Teil unseren Abschnitt “Sustainable Finance – IC Indicators und Newsflash”, der Sie über die Entwicklungen im Bereich ESG-Finanzierungen im letzten Quartal informieren soll.
Durch unsere jahrelange Erfahrung, in über 145 abgeschlossenen Mandaten, sind wir auch im Umgang mit Sustainable und Green Finance bestens vertraut. Als geeigneter Partner, sowohl für Unternehmen als auch für Gebietskörperschaften, wickeln wir gerne auch solche Transaktionen für Ihr Haus erfolgreich ab.
Der European Green Bond Standard: Ein neuer Maßstab für nachhaltige Investments in Europa
Der European Green Bond Standard (EUGBS) soll Transparenz und Vertrauen in den wachsenden Markt für grüne Anleihen stärken. Als Teil des EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums setzt der Standard klare Richtlinien für die Emission von Green Bonds. Doch was genau steckt hinter diesem Rahmenwerk, und wie unterscheidet es sich von bestehenden Nachhaltigkeitsstandards? Dieser Artikel beleuchtet die Ziele, Vorteile und Herausforderungen des EUGBS und vergleicht ihn mit anderen internationalen Standards.
Der Aufstieg grüner Anleihen
Grüne Anleihen haben sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Instrument für die Finanzierung von Umwelt- und Klimaprojekten entwickelt. Sie ermöglichen es Unternehmen, Staaten und Institutionen, Kapital für nachhaltige Initiativen wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder saubere Mobilität zu beschaffen. Doch mit dem rapiden Wachstum des Marktes stellten sich auch Fragen zur Glaubwürdigkeit und Vergleichbarkeit dieser Anleihen. Hier setzt der European Green Bond Standard (EUGBS) an, der im Rahmen des EU-Aktionsplans für nachhaltige Finanzen entwickelt wurde.
Was ist der European Green Bond Standard?
Der EUGBS ist ein freiwilliger Standard, der Emittenten von Green Bonds klare Richtlinien an die Hand gibt, um sicherzustellen, dass die finanzierten Projekte tatsächlich einen positiven Umweltnutzen haben. Er basiert auf vier zentralen Säulen:
Verwendung der Erlöse
Die Mittel müssen vollständig in Projekte fließen, die mit der EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten übereinstimmen. Ein Flexibilitätsrahmen von bis zu 15 % ermöglicht Investitionen in Wirtschaftsbereiche, für die es derzeit noch keine endgültige taxonomische Klassifikation gibt. Die Taxonomie definiert, welche Wirtschaftsaktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten.
Transparenz und Berichterstattung
Emittenten müssen detaillierte Informationen über die Verwendung der Erlöse, die erzielten Umweltauswirkungen und die Methoden zur Messung dieser Auswirkungen bereitstellen.
Externe Prüfung
Eine unabhängige Stelle muss die Einhaltung des Standards überprüfen und bestätigen, dass die Anleihe die Kriterien des EUGBS erfüllt.
Registrierung und Überwachung
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) wird eine zentrale Rolle bei der Registrierung und Überwachung von Green Bonds spielen, die den Standard nutzen.
Vorteile des European Green Bond Standard
Erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit
Der EUGBS schafft einen einheitlichen Rahmen, der es Investoren erleichtert, die Qualität und Glaubwürdigkeit von Green Bonds zu bewerten. Dies fördert das Vertrauen in den Markt und kann zusätzliches Kapital mobilisieren.
Stärkung der EU-Taxonomie
Durch die Verknüpfung mit der EU-Taxonomie wird sichergestellt, dass nur Projekte finanziert werden, die einen messbaren Beitrag zu den Umweltzielen der EU leisten. Dies stärkt die Kohärenz der europäischen Nachhaltigkeitsagenda.
Förderung von Best Practices
Der Standard setzt hohe Anforderungen an die Berichterstattung und externe Prüfung, was Emittenten dazu anregt, ihre Prozesse zu verbessern und Best Practices zu etablieren.
Attraktivität für Investoren
Für institutionelle Investoren, die zunehmend nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten suchen, bietet der EUGBS eine verlässliche Grundlage für ihre Entscheidungen. Dies kann die Nachfrage nach Green Bonds weiter steigern.
Beitrag zu den Klimazielen der EU
Der Standard unterstützt die Umsetzung des europäischen Green Deals und der Klimaziele, indem er die Finanzierung von Projekten fördert, die zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft beitragen.
Nachteile und Herausforderungen
Komplexität und Kosten
Die Anforderungen des EUGBS, insbesondere die externe Prüfung und detaillierte Berichterstattung, können für Emittenten mit zusätzlichen Kosten und administrativem Aufwand verbunden sein. Dies könnte kleinere Unternehmen davon abhalten, Green Bonds zu emittieren.
Freiwilliger Charakter
Da der Standard zunächst freiwillig ist, besteht die Gefahr, dass nicht alle Emittenten ihn anwenden. Dies könnte zu einer Fragmentierung des Marktes führen, bei dem einige Anleihen den Standard erfüllen und andere nicht.
Abhängigkeit von der EU-Taxonomie
Die Effektivität des EUGBS hängt stark von der Qualität und Aktualität der EU-Taxonomie ab. Kritiker befürchten, dass politische Einflussnahme oder unklare Kriterien die Glaubwürdigkeit des Standards untergraben könnten.
Internationale Konkurrenz
Der EUGBS konkurriert mit anderen etablierten Standards wie den Green Bond Principles (GBP) der International Capital Market Association (ICMA). Es bleibt abzuwarten, ob der EUGBS global akzeptiert wird oder nur innerhalb der EU eine Rolle spielt.
Vergleich mit anderen Nachhaltigkeitsstandards
Green Bond Principles (GBP)
Die GBP sind ein globaler, freiwilliger Standard, der von der ICMA entwickelt wurde. Im Gegensatz zum EUGBS sind die GBP weniger streng und basieren auf freiwilligen Selbstauskünften der Emittenten. Während die GBP breiter akzeptiert sind, bieten sie weniger Garantien für die tatsächliche Nachhaltigkeit der finanzierten Projekte. Eine externe Prüfung ist freiwillig und dient der Stärkung der Glaubwürdigkeit, eine regulatorische Überwachung findet nicht statt.
Climate Bonds Standard (CBS)
Der CBS wird von der Climate Bonds Initiative (CBI) entwickelt und ist speziell auf die Finanzierung von Klimaschutzprojekten ausgerichtet. Ähnlich wie der EUGBS erfordert er eine externe Prüfung, ist jedoch nicht an die EU-Taxonomie gebunden. Der CBS hat eine starke internationale Ausrichtung, während der EUGBS stärker auf europäische Ziele fokussiert ist.
Ausblick: Was kann man vom EUGBS erwarten?
Der European Green Bond Standard hat das Potenzial, den Markt für grüne Anleihen in Europa zu transformieren. Durch seine klaren Richtlinien und hohen Anforderungen könnte er dazu beitragen, Greenwashing zu verhindern und das Vertrauen der Investoren zu stärken. Gleichzeitig muss der Standard jedoch seine praktische Umsetzbarkeit unter Beweis stellen und sich gegen die Konkurrenz etablierter globaler Standards behaupten.
Langfristig könnte der EUGBS dazu beitragen, die EU als Vorreiter in der nachhaltigen Finanzierung zu positionieren. Seine Erfolgsaussichten hängen jedoch davon ab, wie gut er von Emittenten und Investoren angenommen wird und wie flexibel er auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeit reagieren kann.
Fazit
Der European Green Bond Standard ist ein ambitionierter Schritt in Richtung eines transparenteren und glaubwürdigeren Marktes für grüne Anleihen. Während er zahlreiche Vorteile bietet, stehen ihm auch Herausforderungen gegenüber, die es zu bewältigen gilt. Im Vergleich zu anderen Nachhaltigkeitsstandards zeichnet er sich durch seine enge Anbindung an die EU-Taxonomie und seine strengen Anforderungen aus. Ob er sich als globaler Maßstab durchsetzen kann, bleibt abzuwarten, doch für Europa könnte er ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft sein.
Die Rolle der FSG Sustainable GmbH bei EUGSB-Themen
Es freut uns, neben S&P, Fitch, KPMG, Deloitte, BDO und anderen als einziges Unternehmen aus Österreich “External Reviewer” für EU-Green Bonds auf der Liste von ESMA zu sein, da es bei einem “Externen Gutachten” eines “EU Green Bonds”, der Registrierung und Beaufsichtigung des Gutachters seitens der ESMA bedarf.
Mag. Gerald Siegmund, CEFA
Herr Siegmund ist Geschäftsführer bei FSG Sustainable GmbH. Zuvor war er in verschiedenen österreichischen Banken in leitenden Funktionen, einschl. als Vorstand, tätig und ist Vortragender an verschiedenen Fachhochschulen/Universitäten in Österreich.
Mag. Michael Ambacher, CFA
Herr Ambacher ist bei FSG Sustainable GmbH für Nachhaltigkeit und Reporting zuständig. Mit 30 Jahren Erfahrung im Bank- und Finanzsektor liegen seine Kernkompetenzen im strategischen und operativen Investment/Portfolio Management bzw. Treasury.
Mehrwert von Independent Capital
Green Bonds und Sustainable Finance werden auch in Zukunft ein wichtiges Thema sein. Es kann für Unternehmen sinnvoll sein, entsprechende Instrumente frühzeitig in die Überlegungen zur eigenen Finanzierungsstrategie aufzunehmen. Will man sich dem Thema nähern, empfehlen wir als ersten Schritt eine Evaluierung durchzuführen, welche positiven Nachhaltigkeitseffekte umgesetzt werden können, welche unternehmensinternen Maßnahmen dazu erforderlich sind und welche Ziele mit einer nachhaltigen Finanzierung primär verfolgt werden sollen. In weiterer Folge sind dann das passende Finanzierungsinstrument und die entsprechende Platzierungsstrategie zu wählen.
Independent Capital begleitet Sie gerne bei Ihrer ersten/nächsten nachhaltigen Finanzierung. In unserer Querschnittsfunktion im Markt haben wir die nötige Erfahrung und den notwendigen Überblick, um Sie im gesamten Prozess, von der Auswahl des geeigneten Instruments sowie der Ratingagentur bis zum Umsetzen der Transaktion, optimal zu unterstützen – auch bei nachhaltigen Finanzierungslösungen. Ob ESG-linked Darlehen oder Green Bonds, wir unterstützen Sie bei der Entwicklung solider Strukturen, die Investoren überzeugen.
Sustainable Finance – IC Indicators und Newsflash
Im folgenden Abschnitt geben wir einen regelmäßig wiederkehrenden Überblick zum Thema Green Finance. Der Schwerpunkt ist dabei die DACH Region.
1. IC Indicators
Emissionsvolumen begebener Green Bonds der DACH-Region aus den Jahren 2013 bis 2025
In EUR Mio., Alle Daten per 31.03.2025 (Quelle: Bloomberg)
Details zum derzeit ausstehenden Green Bond-Transaktionsvolumen
In EUR Mio., Alle Daten per 31.03.2025 (Quelle: Bloomberg)
Ausgewählte ESG-linked Schuldscheinemissionen des ersten Quartals 2025
1 Angekündigt
Alle Daten per 31.03.2025 (Quelle: Bloomberg)
2. Newsflash
CSRD & Taxonomie: EU lockert Nachhaltigkeitsberichtspflichten deutlich
Die EU-Kommission plant mit der Omnibus-Verordnung eine deutliche Entlastung für Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Insbesondere KMU sollen von Bürokratie befreit werden: Künftig gelten die CSRD-Pflichten nur noch für Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über 50 Mio. Euro oder einer Bilanzsumme von 25 Mio. Euro. Dadurch fallen rund 80 % der bisher berichtspflichtigen Unternehmen aus dem Anwendungsbereich. Zudem werden die Berichtspflichten im Rahmen der EU-Taxonomie vereinfacht – unter anderem durch eine finanzielle Mindestschwelle und eine Reduktion der Meldebögen um 70 %. Auch die Fristen für die zweite und dritte Berichtswelle werden von 2026/27 auf 2028 verschoben.
Weitere Erleichterungen betreffen die Sorgfaltspflichten: Direkte Geschäftspartner müssen nur noch alle fünf Jahre regulär geprüft werden. Kleine Importeure werden zudem vom CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) befreit, sofern sie weniger als 50 Tonnen CO₂ pro Jahr importieren – das betrifft etwa 182.000 Unternehmen. Insgesamt sollen so jährlich rund 6,3 Milliarden Euro an Verwaltungskosten eingespart und Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Euro mobilisiert werden. Ziel ist es, Bürokratieabbau mit Klimaschutz zu verbinden und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu stärken.
Quelle: European Commission. (2025, February 26). Commission simplifies rules on sustainability and EU investments, delivering over €6 billion in administrative relief [Press release]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_25_614
Im Zusammenhang mit diesem Newsletter sind wir an einem Feedback unserer Geschäftspartner und Kunden interessiert. Ihre Kommentare sind unter office@independentcapital.at willkommen.
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